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Arkadi Junold
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Faust in der Oper Ein Vergleich

Ziel dieser Arbeit ist ein Vergleich der Faust-Adaptionen von Berlioz, Boito, Busoni und Schnittke, wobei im Wesentlichen die Verdammungsszenen analysiert und verglichen werden sollen. Diese Szenen bieten sich an, weil sich gerade in ihnen sich der Konflikt der Protagonisten zuspitzt und die dramaturgische Konzeption der jeweiligen Fassung am deutlichsten wird. Auch läßt sich an diesen Szenen erkennen, inwieweit es sich um Weltanschauungsmusik in dem Sinne handelt, daß eine solche explizit vermittelt werden soll, oder nicht. Als Weltanschauungsmusik soll in diesem Zusammenhang eine Form von Musik gelten, die Probleme nicht nur aufzeigt, sondern dem Rezipienten gleichzeitig Lösungsmöglichkeiten im Sinne eines geschlossenen philosophischen Phänomens anbietet. Diese Arbeit soll zudem aufzeigen, wie sich dieses Thema in der musikalischen Rezeption innerhalb der 150 Jahre zwischen der frühesten Fassung von Berlioz (UA 1848) und der spätesten von Schnittke (UA 1995) und den jeweiligen Herkunftsländern verändert hat. Im Verlauf dieser Zeitspanne kann man neben den rein praktischen Fragen nach der dramaturgischen und musikalischen Form auch mögliche geistesgeschichtliche Veränderungen nachvollziehen, da die Komponisten mit unterschiedlichen Motiven und Zielsetzungen an die Vertonung herangegangen sind. Döhring formulierte: „Wie kaum eine andere Kunstform der Epoche reagierte sie (die Oper) seismographisch auf gesellschaftliche Ereignisse, Umbrüche und fungierte künstlerisch als Katalysator gesellschaftlicher Realität und utopischer Entwürfe.“ Die Darstellung dieser Probleme spiegelt sich in der Herangehensweise des Komponisten an den Stoff und sind Teil allgemeingeschichtlicher Tendenzen. Diese Werke wurden gewählt, weil sie als besonders prägnante Bearbeitungen des Stoffes im Sinne der Fragestellung gelten, und gleichzeitig über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügen. Auf den Gornoud-Faust wurde hier verzichtet, um nicht eine zweite französische Veroperung einzubringen, die zudem relativ zeitgleich zu der von Berlioz ist. Ziel ist es dabei nicht, die Werke komplett zu analysieren beziehungsweise einen möglichst umfassenden Vergleich aller in dieser Zeit geschriebenen Werke vorzunehmen. Dies ist aufgrund der Vielzahl der Vertonungen dieses Stoffes wie der Komplexität der einzelnen Werke unmöglich. Aus diesem Grund soll auch die Analyse auf die Finali der ausgewählten Werke beschränkt werden; die Komplettanalyse der Werke bleibt den Spezialstudien vorbehalten. Bei dem Vergleich der genannten Opern ist neben der Frage nach der unterschiedlichen Herangehensweise an den Stoff und die Dramaturgie der Werke natürlich auch zu untersuchen, inwieweit sich die Musiksprache im Laufe der Zeit verändert hat, da in dem zur Rede stehenden Zeitraum tiefgreifende musikalische Veränderungen zu verzeichnen sind, die weitaus ausgeprägter sind, als in den vorangehenden 150 Jahre. Als Beispiel sei hier nur die Aufgabe der tonal gebundenen Harmonik um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert und die Entwicklung elektronischer Instrumente beziehungsweise Kompositionsformen nach dem zweiten Weltkrieg zu nennen. Diese Veränderung wird insbesondere bei der Vertonung durch Alfred Schnittke von Bedeutung sein, der das zeitlich mit Abstand späteste Werk geschrieben hat, dem einzigen Werk, das vollständig dem 20. Jahrhundert verpflichtet ist. Die Beschränkung auf die Oper ist zum Einen dadurch begründet, daß man durch diese Beschränkung Veränderungen des Stoffes, wie sie durch die Darstellung in unterschiedlichen Gattungen entstehen, bei der Analyse außer Acht lassen kann. Zum anderen kann man bei Opern eher den Vergleich mit der literarischen Vorlage wagen als beim Ballett und rein orchestraler Musik, da es sich bei beiden Formen um nichtwortgebundene Gattungen handelt. So lassen sich dramaturgische Veränderungen, die sich durch grundsätzlich unterschiedliche Darstellungsweisen ergeben, umgehen. Mögliche Unterschiede der Konzeption können innerhalb einer Gattung einfach am besten verdeutlicht werden.

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Junold, Arkadi, Faust in der Oper, Berlin: 2007, ISBN: 9783940863003

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